Pressestimmen

 

Im Grab ist's nach wie vor finster
Peter P. Pachls Mozart-Gourmetoper feierte in Pflaums Posthotel Pegnitz Premiere


Pegnitz. »Beym Arsch ist's finster« heißt ein Kanon, den Wolfgang Amadeus Mozart 1783 zum selbst verfassten Text komponiert hat. Georg Nissen, zweiter Mann von Mozart-Witwe Konstanze und erster Mozart-Biograf, merkte 1799 dazu an, dass man dezenter Weise besser »Im Grab ist's finster« singen möge.

Derlei vornehme Zurückhaltung hat schon lange Methode. Nicht nur bei den vielfach anrüchigen Kanon-Texten war Mozart eben doch nicht so artig, herzallerliebst und schokoladenrund, wie ihn das Bildungsbürgertum gerne hätte. Vor allem auch in den Briefen an seine Augsburger Base Maria Anna Thekla Mozart nahm er keine Hand vor den Mund.

Noch 1914 in der ersten kritischen Gesamtausgabe der Briefe wurden alle anstößigen Stellen eliminiert. Und wenn Schulchöre heute den »Bona nox«-Kanon einstudieren, haben sie zumeist eine bereinigten Textversion vor sich. Dass Peter P. Pachl vor der direkten, derben, drastischen Sprache Mozarts keine Angst haben würde, war klar. Seit 25 Jahren sorgt der Siegfried Wagner-Spezialist, Regisseur und Autor in Pflaums Posthotel Pegnitz für den theatralischen Teil der dort besonders gepflegten Sonderform namens Gourmet-Oper.

Die jüngste Produktion heißt »Des Bäsles allerliebster Sauschwanz oder Der freche Mozart — Die Träume leben«. Premiere war an Silvester und Großneujahr, die nächsten Aufführungen folgen in Augsburg (im Auftrag der Deutschen Mozart-Gesellschaft), in Kühlungsborn (zum Jahrestreffen der technischen Direktoren deutscher Theater) und am Rosenmontag wiederum in Pegnitz. Es ist sowohl theatralisch wie kulinarisch ein außerordentliches Vergnügen. Das Stück verquickt geschickt diverse Briefstellen mit etlichen deftigen Kanons sowie einigen Arien und Gesangsnummern aus den Mozart-Opern »Le nozze di Figaro«, »Così fan tutte« und »Idomeneo«. Gespielt wird im neu gestylten Saal des Hotels, in einem Szenarium, das unschwer an die Stände einer Wellness-Messe erinnert (Ausstattung: Gregor Sturm).

Die Schauspielerin Sybille Schedwill ist das eine Zentrum der Aufführung. Ihr »Bäsle-Häsle« ist zwar nicht mehr taufrisch, aber schließlich hat das Original Mozart fast um fünfzig Jahre überlebt (und ist übrigens 1841 in der Noch-nicht-Wagnerstadt Bayreuth gestorben). Gekonnt verlebendigt sie mit ironischen Zwischentönen die Brieftexte, und wie sie mit ihrer Plastikbadehaube ins Schaumbad steigt, erscheint sie fast authentischer als die vier mit weißen Perücken bestückten Sängerdarsteller.

Rebecca Broberg, die im November auch in Siegfried Wagners »Kobold« im Stadttheater Fürth restlos überzeugte, fegt mit ihrer Solo-Gesangseinlage im zweiten Teil dann alle Ohren frei. Die furiose Elektra-Arie ist in ihrer expressiven musikalischen Dichte ein Gänsehaut machender Gegenpol zu den spielerischen Nummern, die Mozarts unernste, komische Seiten zum Klingen bringen.

Das ist natürlich gewollt. Autor und Regisseur Pachl macht deutlich, dass der eine Mozart ohne den anderen nicht zu haben ist. Und so, wie er die Briefe inszeniert, wirken die Texte wie Sprecharien. Mozarts aberwitzige, mit analerotischen Fantasien gespickten Sprachkompositionen erweisen sich in ihrem Aufbau und in ihrer Rhythmik als hochmoderne Sprechmusik. »Mozart ist«, sagt Pachl, »seiner Zeit weit voraus.«

Monika Beer, Fränkischer Tag Bamberg, 11. Januar 2006
 


 
… die Sprache war schon etwas gewöhnungsbedürftig, denn es ging zeitweise nicht immer fein zu, sondern so richtig gassenhauerisch. … Peter P. Pachl, ein Mozartkenner … Die schauspielerischen und gesanglichen Leistungen waren gut.

Nordbayerischer Kurier, 2. Januar 2006
 


 
Die frische, freche, frivole Inszenierung interpretierte die Briefe von Mozart (1756 bis 1791) an seine Bayreuther Base Anna Thekla Mozart. Dank der meist unanständigen Kanons und einiger beliebter Arien sind sie auch als »Rektal-Poesie« zu bezeichnen.

»Zum Schreien komisch« fanden die Gäste die »Mozärtlichkeiten«. … Mozarts Brieftexte  zeichnen sich übrigens durch eine wunderbare Sprachrhythmik aus. Der Komponist kann deshalb durchaus als der erste Rapper bezeichnet werden. … Den Sylvestergast gab Rebecca Broberg mit einer beeindruckenden Isolden-Stimme.

Nürnberger Nachrichten, 2. Januar 2006

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