Singspiel in einem Akt

 

Ein einmaliger Fall in der Musikgeschichte: ein Operettenkomponist vertont hohe Literatur. Oscar Straus (1870 — 1954), der vor seinen Operetten-Welterfolgen als E-Musik-Komponist mit Opern und symphonischen Dichtungen begonnen hatte, war seit der Eröffnung des Berliner Kabaretts »Überbrettl« befreundet mit dem Dichter Arthur Schnitzler (1862 — 1931), mit dem er wiederholt zusammengearbeitet und dessen Bühnenstück »Liebelei« er noch postum vertont hat.

Im Jahre 1907 schuf Arthur Schnitzler die Einrichtung seines einaktigen Puppenspiels »Der tapfere Kassian« für die musikalische Realisierung durch Oscar Straus. Die Uraufführung der seltsamen menage à trois erfolgte als Teil eines Oscar-Straus-Tryptichons am 30. Oktober 1909 im Stadttheater Leipzig. Anschließend nahm Felix Weingartner den »Tapferen Kassian« sogar für die Wiener k.k. Hofoper an — aber aufgrund von Weingartners Demissionierung erlebte das Werk seine Wiener Erstaufführung am 17. März 1912 im Carltheater, allerdings mit Kräften der Wiener Hofoper und begleitet von den Wiener Philharmonikern.

Straus hat zu den geistreichen, formvollendeten Versen Schnitzlers eine echte Jugendstilmusik beigesteuert, heitere und sentimentale Melodien, die sich beim Zuhörer als Ohrwürmer erweisen.

Das pianopianissimo musiktheater lässt dem intimen Einakter im zweiten Teil des Abends zündende Operettenmelodien und witzige »Überbrettl«-Lieder von Oscar Straus folgen.

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