»Der Heidenkönig« in Solingen

 

Zur Wiederaufführung des Werkes

Die groß besetzte Oper, deren Handlung den Kampf zwischen Heidentum und Christianisierung im 16. Jahrhundert mit einer so packenden wie dramaturgisch ungewöhnlichen Liebeshandlung verbindet, beweist einmal mehr, dass der Sohn Richard Wagners ein durchaus beachtenswerter Opern-Komponist war und zu Unrecht vergessen wurde.

Dennoch, die Rezeptionsgeschichte des Werkes ist bislang kurz: Im Jahr nach der Kölner Uraufführung stand die Oper noch auf dem Spielplan der Nürnberger Bühnen, dann verschwand sie — wie die anderen Werke Siegfried Wagners übrigens nicht zum Missfallen seiner Erben — in den Archiven.

Verdienst der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft und ihres spiritus rector, Prof. Dr. Peter P. Pachl, ist es, wenn nun die Oper wieder einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Wenn dieses Werk, das seinen dramaturgischen Plot aus der Unterwerfung der Wenden durch die Polen im 16. Jahrhundert und den daraus resultierenden Religionskämpfen speist, ausgerechnet im Jahr des Polen-Beitritts zur EU und Siegfried Wagners 135. Geburtstages erstmals wieder gezeigt wird, erfolgt ein weitgreifender Brückenschlag zwischen der Entstehungszeit 1913 und unseren Tagen. Die Verzahnung von Politik, Religion, Gewalt und Sexualität bleibt auch heute ein spannendes, gehaltvolles Thema.

Dem breiten, überregionalen Interesse an dem nur scheinbar vergessenen Komponisten Siegfried Wagner tragen die Live-Übertragung von WDR 3 sowie die zeitversetzte Ausstrahlung des Mitschnitts von DeutschlandRadio Rechnung, eine CD Produktion durch das Label Marco Polo (HNH/Naxos) wird die konzertante Aufführung verfügbar halten.

Die Besetzung des Abends vereinigt in gelungener Mischung bekannte Sänger von Format mit vielversprechenden Nachwuchskräften — was einmal mehr als Beleg für die hohe Qualität der Musik Siegfried Wagners gewertet werden darf. Die Bergischen Symphoniker Solingen-Remscheid und der polnische Kammerchor Polski Chór Kameralny (Einstudierung: Jan Lukaszewski) stehen unter der musikalischen Leitung von Hiroshi Kodama. Die Produktion erfolgt in Zusammenarbeit mit dem pianopianissimo-musiktheater München und der Hochschule für Musik Köln.

Dr. Sabine Busch-Frank

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