Pressestimmen

 

Im britisch-amerikanischen Kulturraum ist Judith Weir geschätzt von Stars wie Simon Rattle und Jessye Norman (…) kein gegenwärtiger Bühnenkomponist hat eine größere Vorliebe für die literarische Hochromantik Deutschlands als sie. »Heaven Ablaze In His Breast« von 1989 hat E.T.A. Hoffmanns Erzählung »Der Sandmann« als Quelle. Den Titel »Der Himmel entflammt in seiner Brust« entnahm Weir dem Novellentext. (…) In Pflaums Posthotel Pegnitz erlebte die Oper ihre verspätete deutsche Erstaufführung durch das entdeckungsfreudige pianopianissimo musiktheater.

Das tiefenpsychologische Horrorgeschehen vom Studenten Nathanael, der erst dem Automaten Olimpia und dann dem Wahnsinn verfällt, inszenierte Peter P. Pachl (in eigener Übersetzung) mit einfachen Mitteln und konnte sich aufdrängende Assoziationen zu Offenbachs »Hoffmann«-Collage vermeiden. Zwei Klaviere sind die einzigen Instrumente, Frank Strobel und Günther Lang stürzten sich mutig und gekonnt in die rhythmischen und harmonischen Vertracktheiten. Die mit vielen kantablen Ensembles bedachten Solisten — in größeren Soli auffallend Johannes Föttinger und Rebecca Broberg — wechseln blitzschnell von Alltagsverrichtungen mit ausladenden Bewegungen in Nathanaels Erlebniswelten zwischen Realität und Alptraum.

Roland Dippel, Opernwelt 5/2002
 


 
Christel Erkes in der Doppelrolle von Nathanaels Mutter und dem Automaten Olimpia darf in ihrem großen Solo mit Koloratur (inklusive kurzer Offenbach-Paraphrase) wie menschlich agieren. Dieser Kunstgriff — »Sie scheint ein menschliches Wesen nur zu spielen« heißt es im Libretto — und auch die Masken der Solisten setzten in dem wenig illusionstauglichen Theatersaal hoffmanneske Doppelbödigkeiten frei. (…)

Peter Sykora, dereinst Gestalter des »Zeittunnels« in Götz Friedrichs Berliner Ring, hatte als einziges Bühnenelement eine vieldeutig bespielte Box gebaut. In ihr leidet André Lexow als Nathanael (mit übergroßem roten Stift) bereits zu Beginn an Schreibhemmungen. Immer wieder doppelt er das Spielgeschehen durch Videoprojektionen.

Ergänzt wurde der Abend durch erstmals aufgeführte Nummern aus E.T.A. Hoffmanns 1807 in Warschau und Berlin entstandener Oper »Liebe und Eifersucht« . (…) Die vollständige Uraufführung ist das nächste Großprojekt des pianopianissimo musiktheaters.

Roland Dippel, Bayerische Staatszeitung, 5. April 2002
 


 
Der international anerkannte Professor zeigte sich wieder als sprudelnder Quell vieler Regie- und Inszenierungseinfälle. (…) Mit weißen Masken traten die Akteure — wie Rebecca Broberg, Johannes Föttinger, André Lexow, Christel Erkes, Magdalena Zabanoff, Horst Kasper und Lars Kersting — an. Wer denkt schon, dass man schlichte weiße Teller so wirkungsvoll als Stilmittel und Gabeln als Duellwaffen einsetzen kann. Eine abwechslungsreiche Inszenierung, die das Publikum miteinbezieht. (…)

Die Weir-Hoffmann-Oper wurde von Frank Strobel, der tags zuvor noch in Hamburg in der Musikhalle dirigiert hatte, und von Günther Lang musikalisch geleitet. (…) Pegnitz lohnt jeden Umweg. Eine Gourmet-Oper ist seine Attraktion.

vk, Nordbayerischer Kurier, 2. April 2002

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